Haus mit Rock
Wir befinden uns kurz vor der Spitze des Leopoldsberg, einem der Hausberge wanderfreudiger Wiener. Das Terrain lässt sich mit einem Wort am besten beschreiben: Steil. Die Lage mit einem anderen: Fantastisch.
Es ist ein magischer Ort. Auf der einen Seite völlige Stille, der Wienerwald und im Tal die Weinhänge Klosterneuburgs. Auf der anderen Seite – vom Grund aus nicht zu sehen – die „Pforte Wiens“ am rechten Donauufer. Der Platz ist Segen und Herausforderung zu gleich. Die exponierte Lage hat eine Hangneigung von bis zu 45 Prozent. Die Zufahrt war fix vorgegeben.
In solch idyllischen Lagen muss die Bauweise mit der Natur in Einklang gebracht werden. Einerseits im Dienst der ästhetischen Wirkung und andererseits symbiotisch mit der Natur und Umgebung verschmolzen. Die Holzfassade, mit ihren vorverwitterten Fichtenlatten, wirkt, als hätte an dem Ort nie etwas anderes gestanden. Denn abgesehen von den erdberührenden Teilen, wurde alles an diesem Projekt im Holzbau umgesetzt.
Im Entwurf näherten wir uns dem Projekt mit Bedacht. Mit Respekt vor all den baulichen Schwierigkeiten. Die Aufgabenstellung war klar: Ein Haus, zwei Parteien, steiler Hang, schlankes Grundstück, möglichst gleichverteilt und jeder muss für sich bleiben. Obendrein mit Blick, Terrassen, Pool und Privatsphäre.
Von der Straßenseite ist das Haus kaum wahrnehmbar. Lediglich der Stellplatz weist darauf hin, dass da noch mehr ist – viel mehr:
Kaskadenartig fällt das Haus über insgesamt fünf Hauptgeschoße nach unten. Mit einer leicht versetzten Poolebene und einem Wellnessbereich, sind es insgesamt sieben Ebenen.
Alle Hauptgeschoße sind über eine zentrale Treppe erschlossen. Zusätzlich gibt es für „Unsportliche“ einen Lift. Das Haus ist facettenreich und Besuchern, die das Haus über den Lift erschließen, fällt es oft schwer, das Haus mit all seinen Ebenen zu verinnerlichen.
Man wünschte sich als Herzstück des Hauses, eine raumumgreifende Küche mit anschließendem Essbereich - gemeinsam mit dem Eingangsbereich wurde dafür ein ganzes Geschoß eingenommen. Eine großzügige Eckverglasung ermöglicht die Einbeziehung des Grünraums in den Wohnbereich. Der Esstisch als Mittelpunkt, ist kein gewöhnliches Möbelstück, sondern fixer Bestandteil des Hauses. Aufgrund seiner Konstruktion, auf der Rohdecke befestigt, schwebt er wie die Tragfläche eines Flugzeugs über dem Boden.
Eine einläufige Faltwerktreppe aus Stahl, durch eine Nurglaswand szenisch abgeteilt, verbindet die darüber liegende Wohnebene samt vorgelagerter Terrasse. Es ist der schönste Aussichtsplatz des Hauses – mit 270°-Blick.
Eine mit Nußholzfurnier verkleidete Wohnungstrennwand zum Nachbarn, durchschneidet das Haus über alle Geschoße und gibt den Räumen eine gewisse Dynamik und Haptik. In Kombination zum kühl gehaltenen Boden mit Microtopping-Beschichtung wirkt es sehr ausgewogen. Indirekte Beleuchtungselemente lassen Wände und Möbel herausgelöst erscheinen. Jeder Quadratzentimeter findet hier seine Funktion, jede noch so kleine Ecke ihre Nutzung.
Ein Luftraum, aus der Wohnzimmerebene zu einer Galerie ausgeschnitten, leitet das Licht über ein Dachflächenfensterband in die darunterliegende Eingangsebene. Von dort flutet das Licht weiter, über begehbare, unterschiedlich große Glasluken, noch tiefer in das Gebäude, wo es schließlich bis in die Bäder des 1. Untergeschosses dringt. Je nach Tageszeiten illuminieren dadurch unterschiedliche Lichtkegel die Bäder. Umgekehrt blickt man von der Badewanne aus über drei Geschosshöhen in den Himmel.
Das erste Untergeschoß ist den Schlafräumen mit anschließenden Bädern zugeteilt.
Im 2. Untergeschoß ist ein Gästezimmer, Technikraum und ein dem Pool zugeordneter Fitnessbereich mit Küche – alles in einem einheitlichen Goldton gehalten. Auf einer vorgelagerten Terrasse, kleidet, während der heißen Sommermonate, ein Außenvorhang die Küche am Pool. Dieser wird in der vorgesetzten Holzfassade angebracht und spendet kühlen Schatten. Es sieht beinahe so aus, als trüge das Haus einen Rock.